Home » Soziale Verantwortung » Wir halten Abstand – die Zecken nicht!
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Univ.Prof.Dr.med. Ursula Kunze

Medizinische Universität Wien, Zentrum für Public Health, Institut für Sozialmedizin

Auch wenn das Thema Covid-19 momentan dominiert, dürfen wir nicht auf den Schutz gegen andere Erkrankungen, wie zum Beispiel FSME vergessen. Zecken halten sich nämlich nicht an Abstandsregeln.

Wo halten sich Zecken auf bzw. wo besteht die Gefahr eines Zeckenstiches? 

Zecken sind am Boden, im hohen Gras, am Waldrand, in Wiesen, aber auch im eigenen Garten zu finden. Sobald der Mensch sich in der Natur aufhält, kann es zu einem Kontakt mit Zecken kommen und sie gelangen mitunter auch über Haustiere in die Wohnräume. Zecken mögen Wärme und Feuchtigkeit und können sich bei sehr niedrigen Temperaturen nicht bewegen. Zecken sind zudem mobil indem sie mit ihren Wirten „wandern“. So kommen sie auch in Gegenden vor, wo sie davor noch nie gefunden wurden. Nicht jede Zecke ist FSME Träger – bei jenen die das Virus jedoch tragen, besteht das Risiko einer Infektion. Das Virus wurde österreichweit nachgewiesen, weshalb die Impfung seitens des Ministeriums bzw. im Impfplan empfohlen wird. 

Welche Krankheiten können Zecken übertragen?

Die in Österreich wichtigsten von Zecken übertragenen Krankheiten sind Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Borreliose. Ein roter Fleck um die Zeckeneinstichstelle, der immer größer wird, kann ein Hinweis auf Borreliose sein und man sollte umgehend einen Arzt aufsuchen. Gegen Borreliose gibt es eine Antibiotikatherapie, für FSME gibt es leider keine heilende Therapie – hier kann nur versucht werden, die Symptome der Erkrankung zu behandeln.

Wie kann man sich vor einem Zeckenstich bzw. FSME schützen? 

Neben Maßnahmen, welche die Gefahr eines Zeckenstiches reduzieren – wie zum Beispiel Gewand, Repellents usw. – kann nur die Impfung effektiven Schutz gegen eine Infektion mit FSME bieten. *1

Welche Symptome können auf eine FSME-Erkrankung hinweisen? Am Anfang sind es häufig Fieber, Abgeschlagenheit, Kopf- und Muskelschmerzen. Die Symptome einer “Sommergrippe” könnten mit der initialen Phase einer FSME-Erkrankung verwechselt werden. Die Erkrankung kann sich durch grippeähnliche Symptome bis hin zu den Symptomen einer Entzündung der Hirnhäute, des Gehirns und/ oder des Rückenmarks äußern. Die Symptome hängen auch davon ab, welche Bereiche des Zentralnervensystems betroffen sind. Es kann zu Gangstörungen, Lähmungen, Bewusstseinstrübung – aber auch zu Koma kommen. Beim Großteil der mit FSME infizierten Personen treten keine Krankheitssymptome auf. Bei ca. 33 Prozent der FSME Infizierten bricht die Krankheit in unterschiedlicher Ausprägung auch tatsächlich aus.*2

Wer sollte sich impfen lassen? 

Grundsätzlich sollten sich alle Personen impfen lassen, die in Österreich leben oder nach Österreich reisen. Zu beachten ist, dass bei der FSME-Impfung nur ein Individual- und kein Herdenschutz wie beispielsweise bei einer Masernimpfung besteht. FSME kann nämlich, anders als bei Masern, nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden. Jeder Einzelne sollte somit laut dem Österreichischen Impfplan durch eine Impfung gegen FSME geschützt werden. Im Jahr 2020 sollten sich all jene impfen lassen, welche bisher ungeimpft waren, 2019 die ersten beiden Teilimpfungen erhalten haben, 2017 die dritte Teilimpfung der Grundimmunisierung erhalten haben, unter 60 Jahre alt sind und das letzte Mal 2015 geimpft wurden, über 60 Jahre alt sind und das letzte Mal 2017 geimpft wurden, oder nicht wissen, wann die letzte Impfung durchgeführt wurde. Die Impfaktion geht noch bis Ende August. Natürlich gibt es aber ganzjährig die Möglichkeit, sich gegen FSME impfen zu lassen.

*1: Heinz F.X. et al., Vaccination and tick-borne encephalitis, Central Europe. Emerg. Infect. Dis. 2013, 19, pp. 69-76

*2: Kaiser, R., Langzeitprognose bei primär myelitischer Manifestation der FSME – eine Verlaufsanalyse über 10 Jahre, Der Nervenarzt 2011. www.springermedizin. de/langzeitprognose-beiprimaer-myelitischermanifestation-derfsme/8063744

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