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Tabu

Für LGBTIQ-Rechte im Parlament

Foto: John Boss via iStock

Yannick Shetty

Abgeordneter zum Nationalrat, NEOS – Sprecher für Integration, Jugend, Sport und LGBTIQ+

Als jüngster und offen schwuler Nationalratsabgeordneter weiß ich, wie es ist, vom normativen Weltbild der Gesellschaft abzuweichen. Viele Menschen glauben heutzutage, die LGBTIQ-Community hätte bereits volle Gleichberechtigung erreicht: die Ehe für alle, das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare, die jährliche Regenbogenparade um den Ring. Wirkliche Akzeptanz und Gleichberechtigung zeigen sich jedoch oft in den kleinen Dingen des Alltags: wenn zwei Frauen Händchen haltend spazieren gehen und nicht angestarrt oder angepöbelt werden.

Ein exemplarisches Tabuthema, das ich gerade mittels einer Petition auf die parlamentarische Agenda geholt habe, ist das Blutspendeverbot für homo- und bisexuelle Männer. Statt diese pauschal von der Blutspende auszuschließen, fordern wir, das unterstellte sexuelle Risikoverhalten, nämlich ungeschützten Analverkehr, im Fragebogen abzufragen. Ein hochrangiger Vertreter der größten Blutspendeeinrichtung Österreichs meinte dazu, man könne doch nicht einen oberösterreichischen Bauern fragen, ob er innerhalb der letzten zwölf Monate ungeschützten Analverkehr gehabt hätte. Ich sage: Warum nicht?

Als junger Politiker empfinde ich es als meine Aufgabe, Tabus aufzuzeigen und zu brechen und als Sprachrohr für Themen der LGBTIQ-Community im österreichischen Parlament zu stehen. Die österreichische Bevölkerung ist nämlich wesentlich progressiver eingestellt, als es viele Politiker(innen) im Parlament sind, daher möchte ich gerade dort für Sichtbarkeit sorgen und mache damit fast ausschließlich positive Erfahrungen. 

Kein Tabubruch gelang von heute auf morgen, aber die heute selbstverständlichsten Dinge gingen aus Tabubrüchen hervor: das Frauenwahlrecht, die Popkultur – ja sogar die Pizza Hawaii. Es lohnt sich, Strukturen zu hinterfragen, festgefahrene Denkmuster aufzubrechen und neue Wege zu gehen. Das erfordert Mut und Selbstbewusstsein, und daher gehen wir diesen Weg gemeinsam, als Community und als Gesellschaft.

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