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Tabu

Testen gibt Gewissheit

Foto: Foremniakowski via iStock


Während die Corona-Pandemie die Welt in Atem hält, ist eine andere Pandemie schon fast in Vergessenheit geraten. Anfang der 1980er-Jahre entwickelte sich die Verbreitung von HIV schnell zu einer tödlichen Pandemie, die in manchen Teilen der Welt noch heute jedes Jahr Tausende neue Opfer fordert. Bei uns in Österreich spielt die Problematik HIV/AIDS unter jungen Menschen fast keine Rolle mehr. Zu weit weg scheint das Thema – und außerdem: „Mich trifft es doch sowieso nicht.“

Allgemein wird angenommen, dass sexuell übertragbare Infektionen (STI) nicht mehr so weit verbreitet sind wie noch vor wenigen Jahren. Bei HIV mag das stimmen, denn die Zahl der jährlichen Neuinfektionen in Europa nimmt ab. Allerdings gilt das nicht für Krankheiten wie beispielsweise Chlamydien, Tripper (Gonorrhö) und Syphilis. Hier bleibt die Zahl der Neuinfektionen gleich oder steigt sogar. Chlamydien sind neben HPV sogar die am meisten verbreiteten STI in Europa. Zahlen sind allerdings abstrakt – und ganz ehrlich, selten hört man in der Öffentlichkeit davon, dass sich jemand mit einer dieser Krankheiten angesteckt hat.

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Die Ursache liegt allerdings nicht darin, dass die Zahlen nicht stimmen, sondern dass sexuell übertragbare Krankheiten vielen Menschen peinlich sind. Die Dunkelziffer könnte sogar überall noch wesentlich höher liegen, weil die meisten Menschen erst bei stärkeren Beschwerden einen Arzt aufsuchen. Da manche Infektionen auch symptomfrei verlaufen können, kann ein Mensch auch einen anderen anstecken, ohne es zu merken. Dabei können die meisten STI schnell und erfolgreich behandelt werden, sobald sie erkannt wurden. Wir haben also Mittel zur Behandlung und wissen, wie man sich vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützt – mit Kondomen. Warum steigen die Zahlen dann trotzdem?

Eine Umfrage von Jugend gegen AIDS im Jahr 2017 ergab, dass nur knapp 25 Prozent der befragten Österreicher(innen) regelmäßig ein Kondom benutzen. Viele Jugendliche greifen auf die Pille zurück, um eine Schwangerschaft zu vermeiden. Diese schützt jedoch nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Anstatt nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr einen Test auf STI zu machen, wird gewartet, ob wirklich Schmerzen auftreten. Wenn nicht, ist auch nichts passiert. Doch das ist ein Irrglaube.

„Wir können STI nur bekämpfen, wenn sich alle Menschen vor ihnen schützen und sich testen lassen“, sagt Marlon Jost von Jugend gegen AIDS. Denn nur wenn beide wissen, dass sie keine STI haben, können sie ohne Kondom und ohne Risiko Spaß haben. In Österreich werden diese Tests im Normalfall von der Krankenkasse übernommen. Ein Argument mehr, sich regelmäßig testen zu lassen, wenn man wechselnde Sexpartner hat.

Die Erfolgsformel, um STI auf lange Sicht auszurotten, ist also eigentlich ganz einfach: Wissen + Schutz + Testen = keine sexuell übertragbare Krankheit. Wer immer noch viele Fragen offen hat, findet die Antworten im neuen Aufklärungsbuch von Jugend gegen AIDS mit dem Titel „FAQ YOU – frequently asked questions about sex and love“. In diesem haben Gastautoren wie Michael Buchinger und Riccardo Simonetti die meist gestellten Fragen zu den Themen Sex und Liebe beantwortet. Alle Infos zum Buch gibt es unter: www.jugend-gegen-aids.de/buch

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