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Soziale Verantwortung

Gleichberechtigung beginnt bei Mädchen

© Foto: Maheder Haileselassie Tadese

In vielen Teilen der Welt sind Mädchen gegenüber Buben stark benachteiligt: Sie werden viel zu früh und gegen ihren Willen verheiratet. Sie haben keinen Zugang zu Bildung. So wird die Chance, die Spirale aus Armut, Abhängigkeit und Gewalt zu durchbrechen, erschwert.

Während hierzulande jeden Tag Kinder mehr oder weniger selbstverständlich in die Schule gehen, sieht die Situation in vielen Regionen der Welt ganz anders aus. Vor allem Mädchen sind dabei vom Ausschluss von Bildungsmöglichkeiten betroffen. Rund 130 Millionen Mädchen haben weltweit keinen Zugang zu Bildung, wobei in Afrika südlich der Sahara fast 40 Prozent der Mädchen die Schule nicht besuchen können. Dass Bildung aber nicht nur schlagwortartig Zukunft bedeutet, sondern auch ein wichtiges Instrument zur Bekämpfung von Armut ist, machen die Auswirkungen der Ausgrenzung noch gravierender. Die von den Vereinten Nationen ins Leben gerufenen Sustainable Development Goals nehmen sich dieser Problematik daher auf vielen verschiedenen Ebenen an. Diese 2016 in Kraft getretenen Ziele für eine nachhaltige Entwicklung fordern unter anderem eine gerechte und hochwertige Bildung für alle und gleichermaßen die Gleichstellung der Geschlechter sowie die Befähigung der Selbstbestimmung von Frauen und Mädchen.

Alle zwei Sekunden

Die Ursachen für die Hindernisse zum Bildungszugang für Mädchen sind je nach Land und sozialer, ökonomischer sowie politischer Situation verschieden. Doch eine der tiefgreifendsten Barrieren stellt gerade in Entwicklungsländern die Zwangsheirat dar. Über 750 Millionen Mädchen bzw. Frauen, die noch vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet wurden, leben heute weltweit. Wenn man sich vor Augen führt, dass alle zwei Sekunden ein Mädchen zwangsverheiratet wird, erscheint diese Zahl noch schwerwiegender. Besonders in West- und Zentralafrika ist die Lage besonders schlimm, da hier Zwangsverheiratung von Kindern weit verbreitet ist. So werden mehr als 40 Prozent der Mädchen noch vor ihrer Volljährigkeit zur Ehe gezwungen. Dabei werden Mädchen aber nicht nur ihrer Kindheit beraubt. Denn die Zwangsheirat stellt eines der größten Entwicklungshemmnisse für Frauen dar – und ist nicht zuletzt auch eine Verletzung der Menschenrechte.

Aktiv Barrieren durchbrechen

Seit vielen Jahren setzen sich zahlreiche Initiativen für das Ende von Kinder-, Früh- und Zwangsverheiratungen ein. Eine Voraussetzung für die Verbesserung der Situation sind nicht zuletzt auch politische Veränderungen. So müssen Gesetze erlassen werden, die in den betroffenen Ländern entwürdigende und menschenrechtsverletzende Praktiken verbieten. Nach wie vor ist die Verheiratung vor dem 18. Lebensjahr in über 70 Prozent der afrikanischen Länder gesetzlich möglich. Vor allem die Lage im Sudan erscheint dabei besonders ernst, da Mädchen dort bereits mit 10 Jahren verheiratet werden dürfen. Um eine der größten Barrieren im Entwicklungsprozess für Mädchen und Frauen aufzulösen, versuchen Projekte in den betroffenen Regionen zu agieren. Auf diese Weise können unter Aufklärung traditioneller Autoritäten, partizipative Prozesse sowie Unterstützungen für die Selbstbestimmtheit für Frauen helfen, den Kreislauf aus Armut, Abhängigkeit und mangelnder Bildung zu durchbrechen. Zumal auch die Zahl der Zwangsverheiratungen mit dem Zugang zu sekundärer Bildung zurückgehen würde. Denn die Gleichberechtigung von Frauen beginnt bei Mädchen.

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