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„Glaube an etwas, das größer ist, als du selbst!“

Foto: Siebbi [CC BY 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/3.0)]

Leonardo DiCaprio ist längst nicht mehr nur Schauspieler: Vor allem kämpft er als Umweltaktivist für eine bessere Welt – und macht damit einer neuen Generation kluger Köpfe Mut, es ihm gleichzutun.

Der 22. April 2016 brachte New York strahlendes Wetter. Für einen Frühlingstag war es erstaunlich warm, 26 Grad Celsius. Im Sitzungssaal der Vereinten Nationen am East River stieß die Klimaanlage an ihre Grenze, doch hatte das weniger mit den Temperaturen draußen zu tun. Schuld daran war der Schauspieler, den UN-Generalsekretär Ban Ki-moon ans Rednerpult gebeten hatte. Jeder kannte den Gast, es gab freundlichen Applaus. Doch mit jedem weiteren Satz der Rede breitete sich mehr schweigende Unruhe aus, selten unterbrochen von Beifall.

Der Grund für die gespannte Atmosphäre war wohl, dass Leonardo DiCaprio mit einem Hinweis auf Abraham Lincoln und die Sklaverei begann und dann zügig auf das kollektive Versagen der Menschheit in Sachen Weltklima zu sprechen kam. Bereits zwei Jahre zuvor, zur Eröffnung des UN-Klimagipfels, hatte DiCaprio vor dem Plenum gesprochen, zum selben Thema. Man hatte ihm offenbar nicht zugehört, wenig war passiert. Die Vertreter der 193 anwesenden Staaten bekamen diesmal trotzdem keine Philippika zu hören. Schlimmer: Es war eine emotionslose Bestandsaufnahme zum Scheitern im Tagesordnungspunkt „Überleben der Menschheit“.

Jahrelange Wiederholungen

An diesem Tag befasste sich das Plenum mit der Ratifizierung des Pariser Klimavertrags, doch dieser, so UN-Friedens-botschafter DiCaprio, sei sein Papier nur wert, wenn ihn alle ernst nehmen. Nicht mehr und nicht weniger sagte DiCaprio, und er war in diesen Minuten hinter seinem Rednerpult so weit entfernt vom doppelten Boden Hollywoods, wie nur irgendwie vorstellbar, und derart nüchtern, dass das schlechte Gewissen greifbar wurde.

Dann beendete DiCaprio seine Rede, die sich so zusammenfassen lässt: No more excuses. Er verbeugte sich kurz, ging in den zögernden Applaus hinein ab und hinterließ eine betretene Zuhörerschaft.

Knapp drei Jahre später wissen wir: DiCaprio hatte die Bühne auch an diesem Tag nicht zur Selbstdarstellung missbraucht, einige Diplomaten und Politiker aber wohl. Wieder siegte Kalkül über menschliche Vernunft und gesicherte politische Gegenwart über eine bessere Zukunft.

Wachsendes Wissen

Es braucht wohl noch viele motivierende Reden, bis dieser Dampfer die Richtung ändert. Leonardo DiCaprio hat sich jedoch längst als einer der Steuermänner qualifiziert.

Der entscheidende Moment in der Metamorphose von DiCaprio hin zum Umweltaktivisten war ein Treffen mit Al Gore, dem US-Vizepräsidenten unter Bill Clinton, im Weißen Haus. Gores Botschaft an DiCaprio ist eine an uns alle: „Wenn du dich für Umweltschutz interessierst, solltest du wissen, dass darüber nicht allzu viele Menschen reden, obwohl dieses Thema die größte Bedrohung für die Menschheit ist.“ Dabei, so erinnerte sich DiCaprio, zeichnete Gore auf einer Schultafel den Globus und die zarte Atmosphäre rundum. DiCaprio zu seinem damaligen Wissensstand: „Ich hatte keine Ahnung, wovon er redete.“

Doch DiCaprio lernte schnell. Noch 1998 gründete er die Leonardo DiCaprio Foundation (LDF). Sie unterstützt seither Umweltprojekte auf der ganzen Welt, Einzelpersonen, Graswurzelinitiativen, große NGOs. Schwerpunkte sind Klima- und Tierschutz, Innovation, erneuerbare Energien und die Stärkung der Rechte eingeborener Völker. Bis Ende 2018 hatte die Stiftung rund 110 Millionen Dollar für über 200 globale Projekte ausgeschüttet – zum Teil Leonardo DiCaprios privates Geld.

Klare Stimme

Als ein Mann mit Standpunkt weiß DiCaprio auch, dass seine Botschaften nicht zu komplex sein sollten, weil die Menschen ihnen sonst nicht folgen können. Aber diese Geduld hat irgendwann ein Ende. Dann geht es einzig darum, zu kapieren, was in der Welt vorgeht, und darum, zu entscheiden, ob Politiker, die man wählen will, auch die richtigen Antworten auf unsere Fragen haben. Und wenn nicht, muss man eben etwas schärfer formulieren.

Etwa so: „Wir können unseren ökologischen Fußabdruck um 90 Prozent reduzieren – mit Technologien, die heute schon verfügbar sind.“ Oder als Ratschlag für eine Zivilgesellschaft, die immer häufiger auf den Wert des Miteinanders vergisst: „Glaube an etwas, was größer ist als du selbst.“ Und so: „Wir können kontrollieren, wem wir bei Wahlen unsere Stimme geben. Unsere Führer sollen wissen: Wir kennen die Wahrheit!“

Leonardo DiCaprio

Seit Ende der 90er Jahre engagiert sich Leonardo DiCaprio vehement für den Umweltschutz und gegen die globale Erwärmung.1998 rief er die Leonardo DiCaprio Foundation ins Leben, die mit anderen Umweltorganisationen schwerpunktmäßig in den Bereichen globale Erwärmung, erneuerbare Energien und Biodiversität zusammenarbeitet, und unterstützte bei den US-Präsidentschaftswahlen2004 den demokratischen Kandidaten John Kerry. Mit den Schwestern Nadja und Leila Conners drehte er zwei Kurzfilme(„Global Warning“, 2001, und „Water Planet“, 2004) und übertrug ihnen die Regie in dem von ihm produzierten Dokumentarfilm „The 11th Hour“ (2007; dt. „11th Hour – 5vor 12“) über Ursachen und Folgen der Klimaerwärmung und die vielfältigen Umweltkrisen, denen sich die Erde derzeit gegenübersieht. An diesem Film, der neben einer Fülle von Archivaufnahmen auch Statements von mehr als 50 Experten präsentiert. Leonardo DiCaprio Foundation (LDF)Die LDF hat das Ziel, Standorte zu schützen und Lösungen zu finden, die dazu beitragen, das Gleichgewicht der bedrohten Ökosysteme wiederherzustellen und die Gesundheit und das Wohlbefinden aller Erdbewohner langfristig zu sichern. Durch Zuschüsse, öffentliche Kampagnen und Medieninitiativen bringt LDF Aufmerksamkeit und benötigte Mittel in sechs Programmbereiche: Wildnisschutz, Meeresschutz, Klimawandel Indigene Rechte, Transformierung California, Innovative Lösungen

Die komplette Geschichte über Leonardo DiCaprio erschien im Magazin Terra Mater, Ausgabe März/April 2019 www.terramatermagazin.com/magazin

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